Liebe Eltern

Damit Sie sich in die Probleme Ihres Kindes besser hineinversetzen können, die ihm das Lernen von Lesen und Schreiben bereitet, versuchen Sie doch bitte einmal die vier unten stehenden Wörter von rechts nach links und von oben nach unten flüssig zu lesen. Sie werden merken, es fällt Ihnen nicht leicht:

                                  n e s e l

                                  n e n r e l

                                  t h c i e l            

                                  t h c a m e g

Für ein Kind, das zum ersten Mal mit Geschriebenem konfrontiert wird, bedeutet das eine viel größere Anstrengung. Darüber hinaus müssen erst einmal die Buchstaben gelernt werden, die Ihnen bereits längst geläufig sind.

Ihr lese- und rechtschreibschwaches Kind tut sich jedoch noch um ein Vielfaches schwerer. So hat es zum Beispiel die Schwierigkeiten, Sprachlaute zu unterscheiden (z.B. g – k), gestaltähnliche Buchstaben auseinander zu halten (z.B. b – d - q), die richtige Lautfolge zu erkennen und die Leserichtung einzuhalten und noch vieles andere mehr.

Aus diesem Grund behilft es sich so gut es kann. Aus nur wenigen Merkmalen schließt es, wie beispielsweise das Wort lauten könnte. Leider rät es in vielen Fällen daneben. Ein anderes Mal setzt es sein Gedächtnis ein, um seinen Mangel an Lese- und Rechtschreibkenntnissen auszugleichen.

Es kommt häufig vor, dass Erstklässler das Lesebuch bis zum Ende des Schuljahres auswendig können, ohne je ein Wort richtig gelesen zu haben.

Bei den übermäßigen Anstrengungen des Kindes mit seinen Lese- und Rechtschreibproblemen zurecht zu kommen, erlebt es früher oder später Grenzen, da sämtliche Kompensationsstrategien nicht mehr ausreichen, wenn es darum geht, selbständig einen Text zu erlesen und nicht geübte Wörter und Diktate zu schreiben.