Notwendigkeit

Die Notwendigkeit der Diagnostik von Fehlerquellen.

Ein entscheidender Schwierigkeitsbereich beim Schreibenlernen, und damit ein entscheidendes Aufgabengebiet für die Fehleranalyse ergibt sich daraus, dass der Schreibanfänger das Schriftbild von Wörtern aus deren Lautstruktur konstruieren muss. Er ist noch nicht wie der kompetente Schreiber in der Lage, entweder Wortbedeutungen direkt mit dem bekannten Schriftbild zu verknüpfen oder aber dieses Schriftbild aufgrund seines orthographischen Wissens zu (re)konstruieren. Der Lernende braucht also zunächst Wissen über die Regularitäten der Lautstruktur von Wörtern wie über die Regeln zur Übersetzung solcher Lautstrukturen in Schriftbilder.

Um die Lernausgangslage des Kindes oder des Jugendlichen differenziert zu erfassen und die Art der Aneignungsschwierigkeiten detailliert herauszufinden, verwenden wir ein von Frau Dr. Löffler und Frau Dr. Meyer-Schepers entwickeltes fehlertypologisches Verfahren *DoRA® (Dortmunder Rechtschreibfehler-Analyse). Mit der Taxonomie von DoRA® werden die Rechtschreibfehler auf Basis einer linguistischen Analyse der deutschen Orthographie und der phonetischen Analyse der gesprochenen Sprache systematisch überprüft. Diese Überprüfung ist die Grundlage, um das persönliche Profil von schriftsprachlichen Leistungen bzw. die Fehlerquellen von Fehlleistungen unter Gewichtung der altersabhängigen Verlagerung des Fehlerprofils zu erstellen. So gewinnen wir Einsichten darüber, welche Analyse- und Kodierungsfunktionen bei der allmählichen Aneignung des Mediums Schriftsprache aus dem konkret gesprochenen Wort bei einem Kind nicht entwickelt ist. Zugleich werden die Ansatzpunkte für eine gezielte therapeutische Einflussnahme sichtbar.