Legasthenie hat nichts mit Faulheit zu tun!

Häufig hört man auch heute noch die Aussage, dass das Kind „faul“ sei und nicht genügend übe bzw. kein Interesse habe, Lesen und Schreiben zu lernen. Solche Urteile sind nicht nur falsch, sondern sie verstärken die Probleme der betroffenen Kinder noch zusätzlich. Meist rühren solche Vorurteile daher, dass sich Erwachsene, die Lesen und Schreiben nahezu mühelos lernen konnten, überhaupt nicht vorstellen können, warum das Erlernen dieser  beiden „Kulturtechniken“ so schwer sein soll. Geübte Schreiber können sich entweder die richtige Schreibweise eines Wortes vor dem „inneren Auge“ vorstellen oder sie  probieren bei schwierigen Wörtern noch alternative Schreibweisen auf einem Extrazettel aus. So erkennen sie dann in der Regel die richtige Schreibweise sicher, ohne erklären zu können, warum das entsprechende Wort in einer Weise geschrieben wird und nicht anders.

Jedes Kind möchte Lesen und Schreiben lernen. Doch bereits beim Schuleintritt erleben lese-und rechtschreibschwache Kinder, dass es seinen Mitschülern „hinterherhinkt“. Während die meisten Kinder bereits ihren Namen schreiben können, oft schon Teile des Alphabets beherrschen oder einige Wörter lesen können, erleben sie, dass es ihnen selbst schwer fällt, ihren Namen überhaupt nur abzuschreiben. Es scheint, dass ihre Mitschüler  fast mühelos die Buchstaben lernen, die dann schnell dazu übergehen können, erste Wörter zu lesen.

Lese-rechtschreibschwache Kinder haben oft große Mühe, die Buchstaben richtig wiederzugeben bzw. den entsprechenden  Buchstaben in den richtigen Laut umzuwandeln (Laut-Zeichen-Verknüpfung). Und das, obwohl sie oft die doppelte oder sogar dreifache Zeit aufwenden um ihre Schreib- und Leseaufgaben zu bewältigen. Sie haben sich das Wort, das sie schreiben sollen, fünf- oder gar zehnmal, Buchstabe für Buchstabe, angeschaut und trotzdem ist bei jedem Mal ein anderer Fehler drin.

Wen wundert es da, dass ein lese-rechtschreibschwaches Kind versucht diese Anstrengungen zu vermeiden. Es müht sich oft mit viel Druck ab, und verbringt ganze Nachmittage an den Hausaufgaben um überhaupt einigermaßen gute Leistungen zu erbringen um später in der Schule zu hören, es hat nicht genügend geübt und sollte noch mehr lernen. Von Faulheit kann man hier mit Sicherheit nicht sprechen.

Es ist also verständlich, dass die Kinder mutlos den Kopf hängen lassen, keine Lust haben, ihre Hausaufgaben zu machen, weil sie sich irgendwann nicht mehr konzentrieren können.
Die Kinder ziehen für sich den Schluss, dass sie trotz Anstrengung immer vieles falsch machen. Darunter leidet das Selbstbewusstsein enorm. Die Kinder gehen diesen Anstrengungen aus dem Weg und ziehen sich zurück. Es kann aber auch sein, dass sie durch die ständigen Rückschläge ihre Defizite kompensieren, indem sie z.B. aggressiv, geltungssüchtig oder laut reagieren oder durch Clownerie auffallen.