Wie helfen wir lese- und rechtschreibschwachen Kindern?

Grundlage unserer therapeutischen Arbeit ist eine eingehende Förderdiagnostik, in der wir nicht nur feststellen, welcher Art die Rechtschreibdefizite sind, sondern uns auch an Hand von Gesprächen mit dem Kind und den Eltern (evtl. auch den Lehrern) ein erstes Bild davon machen, wie das Kind mit seinen Schwierigkeiten umgeht. Für jedes Kind wird dann nach inhaltlichen und psychologischen Gesichtspunkten ein individueller Therapieplan erstellt.

Die Erscheinungsbilder der Legasthenie/LRS hinsichtlich des Fehlerprofils nach Fehlerart und deren Ausprägung sind sehr verschieden, so dass ein Therapiekonzept der jeweils spezifischen individuellen Schwierigkeiten gerecht werden muss.

Das von uns entwickelte Therapieprogramm KARLA® erlaubt es, die individuellen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben systematisch und in kleinen Lernschritten zu erarbeiten und genau dort anzusetzen, wo das jeweilige Kind seine Lücken und Unsicherheiten hat. Auf diese Weise wird durch ein spezielles Training zur Laut-Zeichen-Zuordnung und zu den Rechtschreibregeln die automatische Umsetzung des Gelernten erreicht, die für flüssiges Lesen und Schreiben notwendig sind.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige Beispiele aus KARLA® vor:

Der erste Teil beinhaltet das Training der primären Wahrnehmung. Sie dient der elementaren Zuordnung der Sprachzeichen und Schriftzeichen (Buchstaben).
Das Wortmaterial dieses Therapieteils besteht aus Wörtern, die lautgetreu geschrieben werden. Hier soll der Schüler Sicherheit in der Umsetzung der Laute in Zeichen gewinnen. Zu Beginn lernt er die akustische Unterscheidung von Lauten der Vokalgruppe, dazu zählen auch die Umlaute (ä, ö, ü) und die Zwielaute (au, äu, ei, eu). Das Kind muss die unterschiedliche Aussprache eines Vokals in Abhängigkeit von seiner Stellung im Wort erkennen (z.B. klingen die vorkommenden Vokale e im Wort Ehe unterschiedlich) sowie die richtige Lautfolge eines Wortes bestimmen können.

Anschließend wird intensiv die akustische Differenzierung der Konsonanten erarbeitet. Hier wird zunächst von einfachen Unterscheidungen einzelner Mitlaute am Wortanfang und in der Wortmitte ausgegangen. Später folgt dann die Diskriminierung schwieriger Mitlauthäufungen im komplexeren Umfeld.

Der zweite Teil des Therapieprogramms besteht aus dem Training der sekundären Wahrnehmung. Er schult die lautanalytische Differenzierung und deren Rückschlüsse auf die richtigen Schreibweisen. Das bedeutet: Zuerst wird ein intensives Betonungstraining durchgeführt, um die Stellung des betonten Stammvokals (Akzentvokals) im Wort zu erkennen. Es schließt sich ein akustisches Diskriminationstraining zur Erkennung der Länge und Kürze des Akzentvokals an. Auf dieser Grundlage lassen sich dann die Regeln der Schärfung und Dehnung erarbeiten.

Der dritte Teil des Therapieprogramms umfasst unter anderem das Training zu regelhaften Schreibweisen der Sonderzeichen st – sp, v  und qu.
Zur Fehlerbearbeitung der am Wortende hart ausgesprochener Mitlaute d – b – g sowie zu e – ä / eu – äu-Schreibweisen sind Übungen zur Ableitung erforderlich. Grundlage hierfür ist das vorab durchgeführte Wortstruktur-, und Wortstammtraining zur Erkennung der Wortstämme bzw. der Vor- und Nachsilben und Endungen.

Die Anwendung der richtigen Regeln der Groß – Kleinschreibung wird ebenfalls erst im dritten Teil des Therapieprogramms erarbeitet.

Das Therapieprogramm KARLA® erlaubt uns, die individuellen Schwierigkeiten systematisch und in kleinen Lernschritten anzugehen und genau dort anzusetzen wo das Kind seine Lücken und Unsicherheiten hat. Da wir uns nur auf jeweils einen bestimmten Lernschritt konzentrieren und diesen an vielfältigem, jedoch nur diesen einen Schwerpunkt aufweisenden, Übungsmaterial trainieren, kann das Kind nach Abschluss des jeweiligen Programmabschnittes sicher sein, das es den behandelten Rechtschreibschwerpunkt beherrscht. Dadurch erfährt das Kind positive Rückmeldungen und Erfolgserlebnisse und die wiederum steigern die Lernmotivation und das Selbstwertgefühl.

In die therapeutische Arbeit werden bei Bedarf kontinuierliche Leseübungen einbezogen. Zum Training der Wortdurchgliederung sind zunächst Übungen zur Lautsynthese, zum Silben- und Wortaufbau angezeigt. Zur Entlastung des Kindes werden diese zu Beginn mit Silben- und Wortmaterial ohne geregelte Schreibweisen durchgeführt. Anschließend werden mit sinnschrittgliedernden Übungen der Lesefluss und das Lesetempo gesteigert um eine vollständige Sinnentnahme bei angemessener Betonung zu sichern.

Die psychischen Folgeprobleme wie Versagensängste, Entmutigung und/oder Aggressionen werden durch gemeinsame Gespräche aufgearbeitet und soweit wie möglich abgebaut.
Wir führen ausschließlich Einzeltherapien durch, um individuell auf die Probleme der Kinder und ihrem einzigartigen Lerntempo eingehen zu können.

Für den Erfolg und somit für die Dauer einer Therapie sind u.a. folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • der Ausprägungsgrad der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
  • die Konzentration
  • die Lernmotivation
  • die Art und Schwere der bereits eingetretenen psychischen Folgeprobleme.

Selbstverständlich können die therapeutischen Maßnahmen nur so erfolgreich sein, wie es die äußeren Bedingungen, insbesondere die familiären und schulischen Einflüsse, zulassen. Auf die Möglichkeiten positiven Elternverhaltens haben wir bereits ausführlich hingewiesen. Aber auch über die Hilfestellungen und Fördermaßnahmen für lese- rechtschreibschwache Kinder und Jugendliche, die Schulen geben können, sind wir bereits eingegangen.

Weitere Informationen erhalten Sie über unsere Website www.kiz-karlsruhe.de. Selbstverständlich stehen wir Ihnen gern telefonisch (Tel. 0721 / 46 46 48 32) oder bei Bedarf immer persönlich zur Verfügung.


Anhang
Veröffentlichungen und weiterführende Literatur

Valtin, R. & Bardel, I. & Löffler, I. & Meyer-Schepers, U./Voss, A.: Orthographische Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen, in: Bos,W. e.a. (Hrsg.), Erste Ergebnisse aus IGLU. Schülerleistungen am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich, S. 227-264. Münster, New York, München, Berlin 2003

Löffler, I. & Meyer-Schepers, U.: DoRA. Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse zur Ermittlung des Schriftsprachstatus rechtschreibschwacher Schüler. Ein Arbeitsbuch für die Hand des Lehrers. Dortmund 1992

Meyer-Schepers, U.: Linguistik und Problematik des Schriftspracherwerbs. Von der Sachlogik des Zusammenhangs von Laut- und Schriftsprache über die Logik der Aneignung von Schriftsprachkompetenz zur Diagnose und Therapie von Fehlersyndromen. Frankfurt am Main 1991

Dr. Petra Küspert: Neue Strategien gegen Legasthenie. Lese-und Rechtschreibschwäche: Erkennen, Vorbeugen, Behandeln. Oberstebrink Verlag, Ratingen, 2. Auflage 2004

Fritz Jansen, Uta Streit: Positiv lernen. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mit Beiträgen zur Legasthenie und Dyskalkulie. Springer Medizinverlag Heidelberg, 2. Auflage

Nützliche Adressen

  • Arbeitskreis Legasthenie und Dyskalkulie (Region Karlsruhe)
    Blumenstraße 12,
76684 Östringen
    E-Mail: akl@fam-buenger.de 
    Tel. 07253-27 01 51
     
  • Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie, Baden-Württemberg e.V.
    
Alemannenstraße 1c,
    79312 Emmendingen 
    Tel. 07641-4 83 24
     
  • Schulpsychologische Beratungsstelle, staatliches Schulamt Karlsruhe,
    Ritterstraße 18
    
76133 Karlsruhe
    E-Mail: spbs@ssa.ka.kv.bwl.de
     
  • Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Moltkestraße 90

    76133 Karlsruhe
    Tel. 0721-9 74 -0
     
  • Klinikum für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, Kinderzentrum Maulbronn (KIZE) gGmbH,

    Knittlinger Steige 21
    
75433 Maulbronn
    Tel. 07043-16-0
     
  • Erich-Kästner-Schule,
Pädaudiologische Beratungsstelle,

    Sonderpädagogische Beratungsstelle für Sprachbehinderte,
    Moltkestraße 134,
    76187 Karlsruhe
    
Tel. 0721-1 33-47 73,
    E-Mail: beratungsstelle@eks-ka.de

Weitere Informationen:
www.bvl-legasthenie.de