Analyse des schriftsprachlichen Entwicklungsprofils

Die diagnostische Erhebung der Diskrepanz zwischen der Intelligenzleistung und den Leistungen in Schreiben und/oder Lesen, ist nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand für eine LRS-Diagnose nicht mehr ausreichend. Die Weltgesundheitsorganisation verlangt inzwischen die Erhebung eines qualitativen „Störungsmusters“, d.h. die Ermittlung des individuellen Fehlerprofils. Wir haben diese wichtige Erfordernis mit der [1]Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse  von Anfang an als Standard unserer LRS-Diagnostik praktiziert. Denn Kinder lernen das Lesen und Schreiben sehr unterschiedlich. Nur mit Hilfe des fehleranalytisch ermittelten Entwicklungsstandes kann angegeben werden, ob die Lernschwierigkeiten noch in die altersüblichen Variationen kindlicher Lernentwicklung fallen, wie sie in jedem Lernprozess auftauchen oder ob Auffälligkeiten ein besorgniserregendes Ausmaß annehmen.

Die Auskunft, dass das Kind mit Lernproblemen wohl ein „Spätzünder“ sei und sich die Probleme noch „auswachsen“ würden, sollte nicht über den Daumen gepeilt werden, sondern durch die Ermittlung des schriftsprachlichen Entwicklungsstandes und anamnestische Erhebungen fundiert werden.

Die Notwendigkeit der fehleranalytischen Erfassung des Entwicklungsstandes widerlegt die Auffassung des „legasthenietypischen“ Rechtschreibfehlers. Es gibt ihn nicht! Gern wird nach der Vertauschung spiegelbildlicher Buchstaben wie z.B. b-p, d-g gesucht, um auf schnellem Weg eine „Legasthenie“ sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Es gibt keinen einzigen Rechtschreibfehler, den ausschließlich „Legastheniker“ machen würden und andere Lernanfänger nicht.


[1] DoRA® ist ein von Frau Dr. Löffler und Frau Dr. Meyer-Schepers entwickeltes fehlertypologisches Verfahren