Karlsruher Therapieprogramm für Rechtschreibschwäche mit integrierter Lernanalyse (Karla®)

Ein erprobtes Therapiekonzept

Die Lese- und Rechtschreibfertigkeiten werden innerhalb der Kombinationstherapie mit Hilfe von Karla® entwickelt. Karla® ist ein System des Aufbaus der Schriftsprache, das speziell für die lerntherapeutische Anwendung und den Schriftsprachaufbau bei Legasthenikern erarbeitet wurde.

Es handelt sich bei Karla® um eine in der therapeutischen Behandlung erprobte Methode des systematischen Schriftsprachaufbaus bei leichten bis schweren Fällen von Entwicklungsstörungen, die beim Erwerb schriftsprachlicher Fertigkeiten (Legasthenie) auftreten können.

Unser Therapiekonzept Karla® gründet auf der theoretischen Einsicht, dass das Erlernen von Lesen und Schreiben eine kognitive Auseinandersetzung mit dem Charakter der alphabetischen Schriftsprache verlangt. Diese Einsicht hat insbesondere für die Diagnose und Therapie der Legasthenie oder Lese- und Rechtschreibschwäche große Bedeutung. Welche pädagogischen, sozialen oder psychischen Faktoren - von medizinischen einmal abgesehen - hierbei eine Rolle spielen mögen: Viele Schülerinnen und Schüler scheitern an den Schwierigkeiten der Übersetzung von gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt. Wir sind der Auffassung, dass diese Schwierigkeiten objektiv sind. Sie sind durch die Besonderheiten des Lerngegenstands „Schriftsprache“ bedingt. Dieser durch die Systematik der alphabetischen Lautschrift selbst gegebene Charakter von Lese- und Rechtschreibproblemen ist damit aber umgekehrt auch der entscheidende Ansatz- punkt einer therapeutischen Hilfestellung. Er erlaubt eine Systematisierung der Schwierigkeitsfelder von Legasthenikern.

Die objektive Seite der Aneignungsproblematik von Schrift war also durch die subjektive Seite zu ergänzen. Erst die subjektive Art und Weise, wie Legastheniker die objektive Sachlogik der Schriftsprache für sich stufenweise verarbeiten, konnte Aufschluss über jene Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb geben, welche sich ihnen konkret auftun. Anstelle der üblichen wortbildorientierten Vermittlungsstrategien wird mit Karla® die Befähigung zur korrekten Verschriftung durch die Methode der systematischen Lautanalyse gefördert, um die mangelnde Merkfähigkeit für Wortbilder auszugleichen. Denn in den meisten Fällen muss ein Wortbildspeicher, erst entwickelt werden. Da der Wortbildspeicher phonematisch fundiert ist, befähigen wir also die Kinder in einer ersten Therapieeinheit dazu, ein Sprechgefüge auf seine schriftrelevanten distinktiven Lautmerkmale überprüfen zu können. Hierbei nimmt die Karla®-Methode auf, dass die Wörter als Lautfolgen im Blickpunkt der Alphabetschrift stehen, welche auf Seiten des Lernsubjekts als auditive Vorgänge des Hörens perzipiert und als sprechmotorische Bildung von Sprechlauten produziert werden.

Das Training der Lautanalyse umfasst nach unserem Verständnis auch die Analyse des Akzentvokals, seiner Stellung im Wort und seiner Lautdauer. Diese Analyseleistungen sind, neben regelstrukturierenden Operationen, für die Setzung von Dehnungs- und Schärfungszeichen grundlegend.

Für die mit Karla® praktizierte systematische Lautanalyse haben wir die Erkenntnisse der kognitiven Informationsverarbeitung, die Ergebnisse der Phonetik und Phonematik für den Schriftsprachaufbau spezifiziert und nutzbar gemacht. Dies ist ein Schritt, um die mangelhafte Merkfähigkeit für Wortbilder auszugleichen. Indem wir kontinuierlich analysieren, wie das Kind versucht, sich lernend die Schrift anzueignen, passen wir den Schriftsprachaufbau nach unserer Methode an den Entwicklungsstand des Kindes an. Wir gliedern hierfür den Lernprozess in solche Teilschritte auf, die das Kind erfolgreich bewältigen kann. Erst dieses Prinzip der Adaption, das in der Karla®-Methodik umgesetzt ist, ermöglicht Lernprozesse in jeder Therapiesitzung.

Jede Therapiesitzung hat einen klaren zielorientierten Verlauf. Das Sitzungsziel und die Teilziele, die dorthin führen, werden dem Kind in Form klarer Angaben präzise gestellt und es wird am Sitzungsende festgehalten, was erfolgreich bewältigt worden ist und was noch nicht. Die Sitzung in Teilziele aufzugliedern ermöglicht zudem die Kontrolle der erreichten Stufen des Lernprozesses und bietet die Möglichkeit der lobenden Bestätigung des Erreichten.

Dies ist wichtig, da die erfolgreiche Aneignung angegebener Ziele die Grundlage stabiler positiver Lernerfahrungen bildet. Denn es ist unerlässlich, dass beim Kind eine bewusste Einstellung zum Lernen und eine Motivation für den negativ besetzten Lernprozess entwickelt werden muss.