Phonologische Bewusstheit

Unter phonologischer Bewusstheit versteht man die Wahrnehmung und die Unterscheidung der einzelnen Laute im gesprochenen Wort. Sie entwickelt sich in Anfängen bereits im Vorschulalter und wird im Zusammenhang mit dem Erlernen des Lesens und Schreibens vertieft und abgeschlossen.

Für das Erlernen des Lesens und Schreibens ist es wichtig, dass die Kinder grundlegende Einsichten in den phonologischen Aufbau der Sprache erlernen. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder alle gehörten Laute durch Buchstaben wiedergeben können. Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten haben hier größere Probleme. Bereits im Vorschulalter kann man die phonologische Bewusstheit und somit die Lernvoraussetzung überprüfen.

Lesen Sie mehr über die zwei Testverfahren: 

BISC (Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese- Rechtschreibschwierigkeiten) und

BAKO 1 - 4 (Basiskompetenzen für Lese- und Rechtschreibleistungen)

Die Therapieverfahren BISC und BAKO

Hintergründe zu BISC und BAKO 1-4...

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Bielefeld zur Früherkennung und Prävention von Risiken der Lese-Rechtschreibschwäche wurde BISC („Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten” von Jansen et. al. 2002) entwickelt und erprobt. BISC wurde speziell für den Vorschulbereich entwickelt, um zuverlässig und objektiv die Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb zu untersuchen.

Neuste Studien zeigen aber auch, dass eine große Anzahl Schulkinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche/Legasthenie Schwierigkeiten in der phonologischen Bewusstheit hat und diese erst in der Grundschule erkannt worden sind. Aus diesem Grund wurde BAKO 1–4 („Basiskompetenzen für Lese-Rechtschreibleistungen” von Stock et al., 2003) entwickelt. Mit BAKO 1–4 lässt sich differenzierter feststellen, wie stark oder schwach die phonologische Bewusstheit eines Grundschülers ausgebildet ist.

Die Untersuchungen mit BISC und BAKO 1–4 geben wertvolle Einblicke in mögliche Verursachungsfaktoren der Schwäche und dient zur Sensibilisierung der Eltern wachsam gegenüber den Lese- und Rechtschreibleistungen ihrer Kinder zu sein. Selbstverständlich geben beide Testverfahren auch wertvolle Hinweise bei der Feststellung des speziellen Förderbedarfs.
Für welche Kinder können BISC und BAKO 1–4 angewandt werden?

  • BISC
    wurde für den Einsatz im letzten Vorschuljahr konzipiert.
  • BAKO
    ist jeweils für die zweite Hälfte der Grundschuljahre 1 bis 4 normiert. Für eine sichere Diagnostik sollten alle Untertests durchgeführt werden. Man benötigt für einen kompletten Test durchschnittlich 30 Minuten.

Wie ist BISC aufgebaut?

BISC ist ein Testverfahren, das neun verschiedene Untertests enthält.

  1. Pseudowörter - Nachsprechen
    Beispiel: Das Kind soll das Wort "Summisa" nachsprechen.
  2. Reimen
    Beispiel: Haus - Maus
  3. Wort-Vergleich-Suchaufgabe
    Beispiel: Das Kind soll das Wort "Stuhl" anhand seines Schriftbildes erkennen.
  4. Laute-Assoziieren
    Beispiel: Aus den Lautbestandteilen "T - isch" soll der Gegenstand "Tisch" erkannt und mit einen Bild benannt werden.
  5. Schnelles-Benennen-Wissen
    Beispiel: Das Kind muss eine Gurke benennen können und ihr die Farbe grün zuordnen können.
  6. Schnelles-Benennen-Farben von schwarz/weiß Objekten
    Beispiel: Gurke - "grün"
  7. Schnelles-Benennen-Farben farbig inkongruenter Objekte
    Beispiel: Gurke - "rot" (falsch gedruckt) - "grün" (richtige Antwort)
  8. Silben-Segmentieren
    Beispiel: Das Wort "geben" muss in "ge - ben" zerlegt werden.
  9. Laut-zu-Wort
    Beispiel: Der Laut /m/ ist in "Maus" enthalten.

Wie ist BAKO aufgebaut?

BAKO ist ein Testverfahren, das sieben verschiedene Aufgabenstellungen enthält .

  1. Pseudowortsegmentierung
    Beispiel: Für das Wort "frap" müssen die Laute /f/-/r/a/-/p/ wiedergeben werden.
  2. Vokalersetzung
    Beispiel: Aus dem Wort "Sand" wird das Wort "sind".
  3. Restwortbestimmung
    Beispiel: Aus dem Wort "mein" wird das Wort "ein".
  4. Phonemvertauschung
    Beispiel: Aus dem Wort "Tafel" wird das Wort "atfel".
  5. Lautkategorisierung
    Beispiel: Von den Wörtern "Satz - Ton - Sohn - sehr" weicht das Wort "Ton" im Anfangslaut ab.
  6. Vokallängenbestimmung
    Beispiel: Von den sinnfreien Wörtern "miel - nitz - spien - rien" weicht das Wort "nitz" in der Länge des Selbstlautes ab, das hier der i-Laut kurz gesprochen wird.
  7. Wortumkehr
    Beispiel: Aus dem Wort "Tor" wird das Wort "rot"

Veröffentlichungen

Mannhaupt, G. (1991).
Früherkennung von Risiken der Lese-Rechtschreibschwäche: Die Bielefelder Längschnittstudie. Erste Ergebnisse zur Vorhersage mit dem Bielefelder Screening. In B. Sandhaas & P. Schneck (Hrsg.) Lesenlernen - Schreibenlernen: Beiträge zu einer interdisziplinären Wissenschaftstagung aus Anlass des Internationalen Alphabetisierungsjahres ( S. 169-180). Wien: österreichische UNESCO-Kommissio.

Stock, C. (2005).
Die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für das Lesen- und Schreibenlernen und wie man es messen kann. Zeitschrift des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie 2005.

Stock, C. (2005).
Über phonologische und schriftsprachliche Kompetenzen deutscher Grundschüler – eine Bestandsaufnahme. Hamburg: Kova.

Stock, C., Marx, P. & Schneider, W. (2003).
Basiskompetenzen für Lese- und Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4). Ein Test zur Erfassung der phonologische Bewusstheit im Grundschulalter. Göttingen. Beltz